Kamenická strojovka 1980-1997
Tomáš Provazník
Schnelligkeit, Effizienz und Flexibilität – diese drei Worte beschreiben wohl am besten das Lokomotiven-Besatzungszentrum in Česká Kamenice, das zum Heimatlokomotivdepot in Česká Lípa gehört. Obwohl es vielen wie gestern vorkommt, sind bereits über vierzig Jahre vergangen, seit die Fensterscheiben des ehemaligen Heizwerks zum ersten Mal vom lizenzierten Pielstick-Verbrennungsmotor, der ersten T 466.0223, vibrierten, die am 1. September 1980 hier eintraf. Seitdem ist der Fuhrpark der lokalen Lokomotiven stetig gewachsen und besteht heute aus vier „Brejlovci“ der Baureihe T 478.3, die von den Lokführern vor Ort liebevoll gepflegt werden.
Die Publikation ist in sechs Kapitel unterteilt: die Zeit vor und nach der Revolution. Wie die Lokführer selbst bestätigen, erlebten sie bis November 1989, als die Eisenbahn-Renaissance in Česká Kamenice ihren Höhepunkt erreichte, ihre besten Jahre auf der Schiene. Ihr Einsatzgebiet erstreckte sich von Bakov nad Jizerou bis nach Bohušovice nad Ohří, 118 Kilometer entfernt, wo sie komplette Schotterzüge, die sogenannten „Maršky“, transportierten. Obwohl die Kamenice-Lokomotiven ausschließlich im Güterverkehr eingesetzt wurden, sah man sie auch bei Personenzügen, da die außergewöhnlichen Schwächen anderer Maschinen im herkömmlichen Wagenbereich von den Kamenice-Lokomotiven problemlos ausgeglichen wurden. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen sie an der Spitze der prestigeträchtigsten internationalen Schnellzüge standen, wie beispielsweise des R 1474 Saxonia. Dieser Zug umfasste auch Personenwagen und erreichte mit seinen siebzehn Waggons eine Länge von über vierhundert Metern!
Leider blieb auch ein so kleiner Betrieb wie das Lokomotivdepot Česká Kamenice nicht von Unfällen verschont. Der bekannteste erschütterte das örtliche Depot am 27. Mai 1986, weitere folgten. Die Ereignisse nach November brachten die Rückkehr der Lokomotiven unter der Leitung von Kamenický hrádek. Die begonnenen Privatisierungen und der bevorzugte Lkw-Transport reduzierten ihre Anzahl jedoch auf nur eine einzige Maschine, die nach ihrer Außerdienststellung durch die Baureihe 742 ersetzt wurde. Die letzte Lokomotive, die dem weniger als zwanzigjährigen Betrieb der Česká Kamenica-Lok ein endgültiges Ende setzte, war die „Bangle“ 742.342-9 am 27. September 1997.
Die vielfältigen Erlebnisse von mehr als drei Dutzend Lokführern würden problemlos mehrere Bücher füllen. Um jedoch gemeinsam in die Zeit einzutauchen, als eine Ladung nach der anderen über den „Berg“ gezogen wurde und an jedem Bahnhof Arbeit für die Zugabfertigung anfiel, genügen einige ausgewählte Erinnerungen einiger eingefleischter Kamenica-Bewohner. Selbstverständlich finden Sie hier auch die Erinnerungen anderer Kollegen aus anderen Depots oder vielleicht auch von Fahrdienstleitern. Das Buch ist reichhaltig mit zahlreichen historischen Fotografien, nahezu vollständigen Fahrplänen und Streckenaufzeichnungen ergänzt.
Heute findet man kaum noch Spuren des einst berühmten Bahnhofs. Die Güterzüge, einige Gleise sowie das ehemalige Depotgelände sind verschwunden. Trotzdem wird das Lokschuppen von Kamenice vielen als geschäftiges Zentrum mit einem hervorragenden Lokomotivpersonal in Erinnerung bleiben. Es verdient daher unsere Aufmerksamkeit.
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